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Hippokrates wusste schon vor 2.500 Jahren, wie wichtig Bewegung für Kranke ist. Inzwischen wenden Sport- und Krebsmediziner sie bei der Krebstherapie an – mit Erfolg!

Sport gegen Krebs

Bewegung senkt nicht nur das Krebsrisiko, sondern kann auch das Tumorwachstum bremsen! Studien und Trainingsprogramme der Sportmedizin gegen Krebs.

Text: Karen Cop

Sport gegen Krebs = Sporttherapie für Krebspatienten
Lange wurden krebskranke Patienten vor allem geschont. Dabei würden selbst kerngesunde Menschen krank, wenn sie über Wochen in einem Bett liegen müssten. Der griechische Arzt Hippokrates soll schon vor 2.500 Jahren gesagt haben: „Wenn wir jedem Individuum das richtige Maß an Nahrung und Bewegung zukommen lassen könnten, hätten wir den sichersten Weg zur Gesundung gefunden.“ Das gilt insbesondere für Krebserkrankungen, wie immer mehr Studien beweisen. Einer der führenden Sportmediziner, Prof. Dr. med. Martin Halle, TU München, fasst zusammen: „Krebspatienten profitieren enorm von körperlicher Aktivität. Ein maßgeschneidertes Bewegungs- und Sporttraining gehört daher unbedingt in das Konzept der ganzheitlichen, optimierten Krebstherapie.“

Wenn bei Bewegung das Blut schneller zirkuliert, werden die Zellen besser durchblutet und vermehrt Tumorzellen abgebaut.

Wirksame Krebsprävention: Sauerstoff für die Immunzellen

Zunächst ist Bewegung die beste Krebsprävention. Warum? „In uns zirkulieren permanent Tumorzellen, die unser Immunsystem abfängt“, erklärt Prof. Halle. „Doch wenn man vor allem sitzend lebt, ist die Lunge nur zu zwei Dritteln belüftet und schlecht durchblutet. Wird man dagegen körperlich aktiv, gibt es eine höhere Zirkulation von Sauerstoff und Tumorzellen werden vermehrt abgebaut.“ Wenn wir die Immunzellen nicht durch Bewegung und gesunde Ernährung unterstützen, kommt es öfter zu Entzündungsprozessen, die Zellentartungen und damit ein Tumorwachstum fördern. Die verstärkte Sauerstoffaufnahme sollte deshalb möglichst oft in Gang gebracht werden. Professor Halle und sein Team haben ein vorbeugendes 7-Minuten-Programm für alle und jeden Tag entworfen, als PDF downzuloaden hier.

Wie Bewegungstherapie Darmkrebs beeinflusst

Große Studien aus Australien und den USA untersuchten den Einfluss von Bewegungstherapie auf Darmkrebs und bewiesen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und Überleben: Patienten, die drei Stunden pro Woche joggen oder fünf bis sechs Stunden zügig spazieren gehen, profitierten von einer „mehr als 50 % geringeren Sterblichkeit“. Den protektiven Effekt von Training zeigten auch Tierversuche: „Die Muskulatur sendet bei Bewegung Stoffe aus, die eine Polypenbildung in der Darmschleimhaut verhindern können. Allein dadurch, dass die Muskulatur eine Belastung erfährt, werden diese Muskelhormone ausgeschüttet.“ (Prof. Halle) Sowohl Ausdauertraining als auch Krafttraining sind nötig, um den Mechanismus zu aktivieren, z.B. Radfahren, Laufen oder Schwimmen plus Krafttraining mit oder ohne Geräte(n), um mehr wirksame Muskeln aufzubauen.

Bloß nicht passiv sein! Vom Tag der Krebsdiagnose an sollte ein die Behandlung begleitendes Trainingsprogramm starten.

Die große Erschöpfung: Fatigue-Syndrom

„Ich bin so müde!“ Das hört man von Krebspatienten öfter, auch über Zeiten der Chemotherapie hinaus. Wenn sie dem chronischen Müdigkeitssyndrom zu viel Raum geben, bauen sie jedoch Muskeln ab und begünstigen eine das Tumorwachstum fördernde Spirale. Dr. Freerk T. Baumann, Leiter der AG Onkologische Bewegungsmedizin an der Uniklinik Köln, befand, dass vor allem Patientinnen mit Mammakarzinom besonders häufig unter Erschöpfung litten, und startete eine Studie mit individuell auf sie zugeschnittenen Trainingsprogrammen. „Nach zwei Jahren hatten sie ein signifikant höheres körperliches Aktivitätsniveau als vor der Intervention.“ Daraufhin wurde die Onkologische Trainings- und Bewegungstherapie, kurz „OTT“, entwickelt, die der Film mit Dr. Baumann, Therapeuten und Patienten vor Ort in Köln zeigt.

Ausdauertraining während und nach der Chemotherapie?

Sport gegen Krebs ist in der Spezialambulanz des Zentrums für Prävention an der TU München Programm und Teil der Behandlung: „Mit dem ersten Tag der Diagnose muss das Training beginnen.“ Vor allem vor einer Chemotherapie wird gezielt „auftrainiert“. Ärzte an den kooperierenden Kliniken berichten sogar von „schon immer aktiven“ Patienten, die während der Chemotherapie Liegestütze und Sit-ups machen. Das Gefühl, selbst etwas für sich tun zu können, stärkt nicht nur die Psyche. „Für aktive Patienten verbesserte sich die Prognose bei Brust-, Dickdarm- und Prostatakrebs um 30 bis 40 %“, gibt das Tumorzentrum München bekannt. In diesem Sinne unterstützt es auch „Segelrebellen“: junge Erwachsene, die nach einer Krebsbehandlung auf See gehen.

Video

Hier berichten Patienten und Mitarbeiter, wie „Sport gegen Krebs“ am Klinikum rechts der Isar wieder fit macht.

Tumorwachstum stoppen im optimalen Pulsbereich

Die Deutsche Krebshilfe rät zu 60 Minuten Bewegung mindestens dreimal pro Woche, wahlweise zu kürzerem, aber häufigerem Ausdauertraining von fünf- bis sechsmal 30 Minuten. Für die optimale Wirkung spielt die Intensität eine große Rolle: 18 bis 25 MET (Matabolic Equivalent of Task) ist die entscheidende Maßeinheit. 1 MET entspricht dem Energieverbrauch von 1 kcal pro Kilogramm Körpergewicht pro Stunde. Besonders viele MET werden beim Fußballspielen verbraucht sowie bei Tätigkeiten wie Staubsaugen oder der Gartenarbeit. Auch die sogenannte Borg-Skala hilft dabei, die Intensität einzuschätzen, denn überanstrengen sollten sich Krebspatienten natürlich nicht! Alle Tabellen, die eine Bewegungstherapie unterstützen können, sehen Sie hier.

Falls Sie Therapeuten in Ihrer Nähe suchen, hilft die Initiative Stärker gegen Krebs.


Zur Autorin: Karen Cop ist Gesundheitsjournalistin und traf Prof. Martin Halle bereits vor vielen Jahren das erste Mal. Damals schon gab es Patienten, die während der Chemotherapie in die Pedale eines Ergometers traten, damit die Medikamente besser in den Kreislauf kommen.

Stand: September 2020

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