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Bestimmte Nahrungsmittel oder Ernährungsweisen sollen besonders heilsam sein – Gerüchte oder wissenschaftlich erwiesen?

Ernährung als „Gesundmacher“?

Kurkuma, Osmose-Wasserfilteranlagen, Fischöl & Co. versprechen eine bessere Gesundheit. Wir haben das bei Experten hinterfragt ...

Text: Karen Cop

Immer wieder werden spezielle Zutaten oder Ernährungsweisen gepriesen, weil sie gesünder seien oder in speziellen Krankheitsfällen heilsam wirken sollen. Superfoods sind in aller Munde – und entpuppen sich manchmal als ungesund, wie kürzlich von Pestiziden belastetes Moringapulver, und Spezialdiäten sind oft zu einseitig. Sollten wir besser gar nicht mehr auf die neuesten Trends hören, die bestimmten Nahrungsmitteln medizinisch wirksame Kräfte zuschreiben? Ernährungsmediziner und Experten in unabhängigen Instituten richten ihre Empfehlungen an wissenschaftlichen Studien aus, die Wirkung und Nutzen für unsere Gesundheit beweisen – oder eben nicht.

Kurkuma gilt in Asien als „Gewürz des Lebens“– zu Recht?

In der Traditionellen Chinesischen Medizin und im Ayurveda wird die zu Pulver verarbeitete Kurkumaknolle seit Jahrtausenden als Heilmittel eingesetzt. Sie soll Entzündungen, z.B. im Darm oder bei Arthrosen, lindern und vor Krebs schützen. Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Johannes Georg Wechsler, außerplanmäßiger Professor an der Technischen Universität München (TUM) und Präsident des Bundesverbands Deutscher Ernährungsmediziner e.V. (BDEM) ist skeptisch: „Vielen Bestandteilen kann man eine antioxidative Wirkung zugestehen. Und in der Laienliteratur finden sich viele Mitteilungen, die Kurkuma positive Wirkungen zuschreiben. Beim Studium der wissenschaftlichen Literatur zeigt sich jedoch, dass es keine randomisierten, kontrollierten Studien gibt, die diese Effekte nach wissenschaftlichem Standard belegen. Eine gelegentliche Anwendung kann sicher nicht schaden, vielleicht auch nützen.“ Zu bedenken dabei ist, dass Kurkuma mitunter nicht nur Schadstoffe (Pestizide etc.) enthalten, sondern auch Unverträglichkeiten und allergische Reaktionen hervorrufen könnte.

Hält Fischöl wirklich rundum fit?

Lebertran war lange verpönt, vor allem wegen seines unangenehmen Geschmacks. Doch seit es appetitlich in Kapseln angeboten wird, schwören viele wieder darauf. Gut so? Prof. Wechsler meint: „Fischöl besteht überwiegend aus Omega-3-Fettsäuren. Diese hemmen Entzündungsvorgänge des Körpers. Die Fettsäurezusammensetzung ist günstig und hat zahlreiche Einflüsse auf den Stoffwechsel, insbesondere auf die Entwicklung einer Arteriosklerose. Zu Omega-3-Fettsäuren gibt es unendlich viele Studien, zu Rhythmusstörungen, zur Entwicklung der Koronaren Herzkrankheit und anderen Stoffwechselkrankheiten wie rheumatoiden Erkrankungen. In vielen konnte ein Effekt vermutet, aber nicht gesichert werden. Neueste Studien zeigen, dass die Niedrigdosissubstitution mit 1 Gramm täglich wirkungslos ist. Subanalysen belegen allerdings, dass höhere Dosierungen durchaus wirken.“ Der Ernährungsmediziner empfiehlt deshalb, mindestens zweimal wöchentlich Fisch zu essen, am besten Seefisch. Ob es reicht, stattdessen Omega-3-Kapseln einzunehmen, würde derzeit erst untersucht werden.

Was bringen Vitamin- und Mineralienpräparate, z.B. Magnesium, Vitamin C und B12?

Vitamin C gegen Erkältungen, B 12 für das Immunsystem, Magnesium für Muskeln und Herz – hoch konzentrierte Vitamine und Mineralien in Tabletten-, Brause- oder flüssiger Form kann jeder problemlos kaufen. Das Angebot ist groß. Tatsächlich bräuchten wir sie Tag für Tag, weil unser Körper die lebenswichtigen Stoffe nicht selbst herstellen kann. Aber bringen die künstlichen Extraportionen etwas? Dipl. oecotroph. Astrid Donalies von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt, sich lieber vollwertig zu ernähren. „Die überwiegende Zahl der Menschen hierzulande ist ausreichend mit Vitaminen versorgt“, Mangelkrankheiten seien äußerst selten. Und Studien hätten „bisher nicht den Nachweis erbracht, dass die Folgen eines ungünstigen Ernährungsverhaltens durch Einnahme von Vitaminpräparaten oder anderen Nahrungsergänzungsmitteln ausgeglichen werden.“ Vielmehr zeigten diese in Deutschland, „dass bei der Mehrzahl der Vitamine die Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr im Mittel erreicht oder sogar überschritten werden“.

Kann Kurzzeitfasten vor und nach einer Chemotherapie den Heilungserfolg positiv beeinflussen?

Fasten scheint normale Zellen vor den giftigen Substanzen, die die Krebszellen vernichten sollen, bei der Chemotherapie schützen zu können. Das legt zumindest eine Pilotstudie der Berliner Ärzte um Stephan P. Bauersfeld und Andreas Michalsen am Berliner Universitätsklinikum Charité und der Tagesklinik des Immanuel Krankenhauses nahe, bei der 34 Frauen mit Brust- und Ovarialkrebs 36 Stunden vor und 12 Stunden nach ihrer Chemotherapie keine feste Nahrung zu sich nahmen. Ergebnis: Bei den fastenden Frauen war die Lebensqualität weniger stark beeinträchtigt als bei den nicht fastenden Frauen. Doch die Vergleichsgruppen waren natürlich zu klein, um daraus einen allgemeingültigen Schluss zu ziehen. Prof. Wechsler warnt Krebskranke grundsätzlich davor, weniger zu essen, denn „bei Tumorerkrankungen ist durch Kalorienreduktion eher eine Verschlechterung zu erwarten als eine Verbesserung. Positive Effekte des Kurzzeitfastens sind beschrieben und liegen darin begründet, dass die Gesamtenergiezufuhr über 24 Stunden verringert wird.“

Können Osmoseanlagen verhindern, dass Hormone ins Trinkwasser gelangen?

Nicht nur Chemikalien, auch Arzneimittel und Hormone gelangen in die Kläranlagen. Aber befinden sich weibliche Östrogene, die jede Frau mit dem Urin ausscheidet, oder Rückstände der Anti-Baby-Pille auch im aufbereiteten Trinkwasser? Milena Yakimova und Daniel Mahringer von der Fachabteilung Wasseraufbereitung des Umweltbundesamtes verneinen, denn „Trinkwasser, das von den Wasserversorgern verteilt wird, entspricht den Anforderungen der Trinkwasserordnung.“ Und die ist in Deutschland streng. „Hormonell wirkende Substanzen können in der Umwelt, z.B. für Wasserorganismen, problematisch sein, sind aber im Trinkwasser glücklicherweise kein Problem.“ Das habe die Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigt. Es sei daher unnötig, das Leitungswasser zu Hause mittels Umkehrosmoseanlage oder -filter aufzubereiten. Von den Vertretern des Umweltbundesamts wird das sogar als „hygienisches Risiko für den Verbraucher“ eingestuft, weil es „stets die Möglichkeit der Fehlbedienung, mangelnden Wartung und nicht angepassten Aufbereitungstechnik birgt“. Lesen Sie zum Thema „Arzneimittel in der Umwelt“ auch diesen Artikel.

Stand: März 2020

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