Familie

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Artikel lesen sollten:

Spielen ist eine biologische Notwendigkeit, die wichtige Fähigkeiten trainiert und kreatives Potenzial entfaltet. Nicht nur Kinder brauchen dafür ausreichend Zeit und Raum.

Einfach mal spielen lassen!

Analoges Spielen ist ein wichtiger Motor gesunder Entwicklung. Vielen Kindern fehlt dafür die Zeit, weil sie verplant sind oder sich digital die Zeit vertreiben.

Text: Antoinette Schmelter-Kaiser

Zerrupfte Grashalme und Blätter, Holzstückchen sowie Sand: Was zwei Fünfjährige mit trübem Pfützenwasser zusammenrühren, ist ungenießbar; die gesammelten Äste unter ihrem zerbeulten Topf können auch keine „Suppe“ wärmen, weil sie mangels Feuer nicht brennen. Was die beiden Freundinnen tun, hat keinen Zweck. Sinnvoll ist es trotzdem. Denn ganz selbstbestimmt sind die Mädchen hoch konzentriert gemeinsam bei der Sache. Kurzum: Sie spielen Kochen, was laut dem Neurobiologen Gerald Hüther alles andere als bloßen Zeitvertreib bedeutet. Sondern Lebendigkeit erfahren, Verbundenheit erleben, die eigenen Möglichkeiten erkunden, kreatives Potenzial entfalten.

Der Idealzustand beim Spielen: Flow-Momente der völligen Vertiefung.

Wenig Platz für freies Spiel

„Rettet das Spiel!“, fordert er daher mit dem Philosophen Christoph Quarch in seinem gleichnamigen Buch. 1992 hat Deutschland zwar der UN-Kinderrechtskonvention zugestimmt, in deren Artikel 31 es heißt: „Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf Ruhe und Freizeit an, auf Spiel und altersgemäße aktive Erholung.“ Im Alltag bleibt dafür aber immer weniger Zeit. Grund dafür ist unter anderem der gut gemeinte Wunsch vieler Eltern, ihre Kinder mit breit gefächerten Kursen vom Babyschwimmen über Blockflöten- und Ballettunterricht bis zum Malatelier frühzeitig zu fördern. Parallel nimmt der Stellenwert digitaler Medien stark zu: Bei einer Statista-Umfrage im Jahr 2018 gaben 83 % der befragten deutschen Kinder an, am liebsten virtuelle Spiele zu spielen.

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Flow-Momente als Ideal

„Für Frühförderung gibt es wunderbare Angebote“, räumt Sabine Weinberger ein. „Und beim Umgang von Kindern mit digitalen Medien können wir die Zeit nicht zurückdrehen.“ Für beide Bereiche weiß die Diplompsychologin aus ihrer therapeutischen Erfahrung aber: „Weniger ist mehr. Eine zeitliche Begrenzung muss vor allem bei der Nutzung von Smartphone, Tablet und PC sein – je jünger das Kind, umso strikter.“ Stattdessen findet sie ausreichend Zeit und Raum zum Spielen „essenziell“ – ohne „Effizienzorientierung“, möglichst frei, nur mit dem Ziel, Freude zu haben. Ergebnis sind idealerweise Flow-Momente: Zustände der völligen Vertiefung und des restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit.

Die Welt mit allen Sinnen begreifen

Kleinkinder brauchen dafür kein spezielles Spielzeug, so die Expertin. Um die Welt mit allen Sinnen zu begreifen, genügen ihnen Alltagsgegenstände: klimpernde Schlüssel, Becher zum Wasserschöpfen in der Badewanne, ein großer Karton. Im Kindergartenalter sind Konstruktions- und So-tun-als-ob-Spiele angesagt. Grundschulkinder haben Spaß an Rollen-, Bewegungs- und einfacheren Gesellschaftsspielen, die im Miteinander auch das Einhalten von Regeln, Kooperieren und Verlieren üben. Teenager finden Spielen – außer Computer-Games – eher uncool. Doch ein Teil von ihnen testet seine körperliche Kompetenz mit Skateboards, Slacklines, Parcours über Hindernisse oder Bladen aus.

Bewegungsmangel statt Draußenspiel

Mit solchen Aktivitäten beugt man einer grassierenden Erscheinung unter Kindern und Jugendlichen vor: Bewegungsmangel. „Über 70 % erfüllen nicht die von der WHO empfohlene Mindestanforderung von täglich einer Stunde mäßiger bis intensiver Bewegung“, so die Konrad-Adenauer-Stiftung in einer 2018 veröffentlichten Studie. Laut ihr habe sie in der Menschheitsgeschichte zum Draußenspiel als selbstverständlicher Bestandteil der Kindheit gehört. Fehlende Grün- und Freiräume sowie „Verhäuslichung“, deren Gründe auch ängstliche Eltern und die steigende Bedeutung von Konsum und Medien sind, legten so einen unterschätzten „Motor der kindlichen Entwicklung“ lahm.

Video

Sehen Sie jetzt das Interview aus der Kultursendung „Aspekte“ mit dem Neurobiologen Gerald Hüther über Spielen als oft ungenutzten Möglichkeitsraum.

Physische und psychische Fitness

Selbstbestimmt, kreativ, für alle Sinne und den ganzen Körper: freies Draußenspiel ist die Königsdisziplin für physische und psychische Fitness. „Zweckfreies, unbekümmertes Spiel ist aber generell wertvoll“, so Gerald Hüther im Vorwort zu „Faszination Spiel“. Denn dabei erleben wir uns als „Konstrukteure unserer eigenen Lernprozesse“, um Einfallsreichtum genauso auszuprobieren wie die eigenen Möglichkeiten. Und das über die Kindheit hinaus. „Der Spieleforscher Stuart Brown sieht das Spiel in jedem Alter als eine biologische Notwendigkeit an, genauso wichtig wie Schlaf und Ernährung“, schreibt Sabine Weinberger. Sie selbst liebt Gesellschaftsspiele mit ihren erwachsenen Kindern und mit den Enkelkindern Rollenspiele in allen Variationen. Außerdem geht sie im Gärtnern auf. Auch das gehört für sie zu „spielerischer Lebenskunst“.

Lektüretipps

Tipps für Bücher, Internetseiten und Videos mit Informationen zum Spiel als wichtige Quelle für Kreativität und Kooperation:

Download

„Faszination Spiel“:

von Sabine Weinberger und Helga Lindner (Springer): Umfassendes Plädoyer für einen spielerischen Zugang zum Leben – vom Kleinkind bis zum Senior.

„Rettet das Spiel!“:

von Gerald Hüther und Christoph Quarch (btb): Sachbuch über die Neurobiologie, Philosophie und Geschichte des Spielens als Entfaltung vieler Potenziale.

„Draußen spielen“

von Christiane Richard-Elsner: Publikation aus der Reihe „Analysen und Argumente“, die sich bei der Konrad-Adenauer-Stiftung als PDF downloaden lässt.

draussenkinder.info

Portal einer interdisziplinären Arbeitsgruppe des Verbands für handlungsorientierte Pädagogik, die sich für mehr freies Kinderspiel im Freien einsetzt.

www.bildungsserver.de

Links zu Fachartikeln über die Bedeutung des Kinderspiels, Spieledatenbanken und Museen.

Stand: März 2020

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