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Beim „falschen Herzinfarkt“ treten gravierende Störungen des Herzmuskels auf. Das vermutlich stressbedingte Syndrom heilt meist gut wieder ab.

Was ist das Broken-Heart-Syndrom?

Die gefährliche Herzmuskelstörung betrifft überwiegend Frauen ab 50 und wird oft zunächst irrtümlich für einen Infarkt gehalten.

Text: Dr. Andrea Exler

Der Begriff klingt eher nach Groschenroman, doch das „Broken-Heart-Syndrom“ ist erwiesenermaßen eine organische Fehlfunktion und alles andere als trivial. In der akuten Phase ist die Stress-Kardiomyopathie (so lautet der Fachausdruck) sogar lebensgefährlich. Die erstmals 1990 von japanischen Wissenschaftlern untersuchte Erkrankung wird auch „falscher Herzinfarkt“ genannt, da sich Symptome und Auffälligkeiten in der EKG-Kurve sehr ähneln. Das Syndrom tritt bei Frauen (meist nach den Wechseljahren) neunmal häufiger auf als bei Männern. Angenommen wird ein Zusammenhang mit dem gesunkenen Östrogenspiegel bei dieser Altersgruppe. Östrogen trägt dazu bei, die Wirkung von Stresshormonen wie Adrenalin oder Cortisol zu mildern.

Nur ein Arzt kann feststellen ob es sich um einen Herzinfarkt oder ein Broken-Heart-Syndrom handelt.

Es fühlt sich an wie ein Infarkt

Selbst Kardiologen können das Broken-Heart-Syndrom nicht auf Anhieb von einem Herzinfarkt unterscheiden. Atemnot und Brustschmerzen sind typische Beschwerden in beiden Fällen. Sogar die organischen Befunde gleichen sich zunächst: Abweichender EKG-Verlauf und die Erhöhung bestimmter Enzyme sind bei ersten Untersuchungen übereinstimmend. Erst ein Röntgenbild bringt Klarheit. Es zeigt die Verformung der linken Herzkammer, die für Kardiomyopathie, das Broken-Heart-Syndrom, charakteristisch ist. Danach wird eine Herzkatheter-Diagnostik vorgenommen, um definitiv auszuschließen, dass kein Infarkt vorliegt. Beim Infarkt verschließt sich ein Herzkranzgefäß (Koronararterie), bei der Kardiomyopathie jedoch nicht. Deswegen können sich „gebrochene Herzen“ ohne Folgeschäden wieder zurückbilden, anders bei einem Infarkt. 

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Wenn das Herz erstarrt: Ein Druck in der Brust, Übelkeit, Luftnot nach einer emotionalen Erfahrung? Indikationen für ein Broken-Heart-Syndrom ...

Forscher vermuten, dass emotionale Extremsituationen den Herzmuskel auch organisch schädigen können. Bewiesen ist dies jedoch bislang nicht.

Geht es nur ums Herz?

Die Ursachen der Herzmuskelerkrankung, die Broken Heart getauft wurde, sind noch nicht eindeutig erwiesen. Dass Kummer das Herz brechen kann, weiß der Volksmund. Tatsächlich kann eine dauerhaft erhöhte Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol die Zellen des Herzmuskels schädigen. Allerdings haben Forscher auch andere Zusammenhänge ermittelt. Kardiologen der Uni Zürich fanden heraus, dass in der Vorgeschichte der Betroffenen gravierende Infektionen ebenso häufig vorkommen wie aufwühlende emotionale Erfahrungen. Außerdem war bei mehr als der Hälfte vor der Herzkrankheit eine psychische Erkrankung wie eine Depression diagnostiziert worden. Ob ein ursächlicher Zusammenhang besteht, ist noch nicht weit erforscht und ebenso ungeklärt wie die Hypothese, dass extreme psychische Erfahrungen das Syndrom auslösen. Eine neue Studie des Universitätsspitals Zürich förderte jedoch überraschende neurologische Befunde zu Tage. Demnach ist nicht nur das Herz von Patient betroffen sondern es sind auch funktionelle Veränderungen im Hirn von Patienten festgestellt worden.

Nicht auf die leichte Schulter nehmen

Zwar ist Stress-Kardiomyopathie kein Infarkt, aber im Akutstadium ist trotzdem eine intensivmedizinische Versorgung nötig. Zu den gefährlichen Komplikationen gehören Herzrhythmusstörungen sowie Blutstau und Gerinnsel in der Lunge oder im Gefäßsystem. Weil die Pumpleistung des Herzmuskels stark eingeschränkt ist, kann das Blut nicht mehr zirkulieren. Außerdem droht ein so genannter kardiogener Schock, also ein massiver Blutdruckabfall, der die lebenswichtige Sauerstoffversorgung des Organismus beeinträchtigt. Jede dieser Komplikationen, die vor allem in den ersten Stunden eintreten, kann ohne Behandlung zum Tod führen. Wenn es gelingt, sie zu vermeiden, bleiben – im Gegensatz zum Infarkt – keine Schäden am Herzen. Form und Funktion des Herzmuskels normalisieren sich innerhalb einiger Wochen vollständig.

Stand: Dezember 2019

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